Julia Bührle-Nowikowa* - Künstlerin

*ehemals Julia Schmunk

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Portrait – Im Nachdenken über sich, über die Künstlerin in mir...

"Jedes Kind ist ein Künstler. Das Problem besteht darin, wie es ein Künstler bleiben kann, wenn es aufwächst." (Pablo Picasso)

Als Kind zeichnete ich im Stillen stundenlang Pferde, ganz in der Welt der Striche und Träume versunken. Später war es das Abmalen meiner Lieblingsillustrationen aus den überwiegend mit Märchen gedruckten Büchern, denen ich meine ganze Aufmerksamkeit widmete. Ich flüchtete stets in die Wirklichkeit des Phantastischen, in die Welt der Zauberei und der Magie. In meinen Träumen schlüpfte ich in andere Leben und lebte oft vor mich hin, in verschiedenen Realitäten gleichzeitig. Während ich eine Straße überquerte, war die eigentliche Realität des Straßenlärms, der Autos und der vielen Menschen, mit der von mir erdachten Ebene, unmerklich verflossen.

Ich wollte Theater spielen und verbrachte oft Tage damit die nötigen Vorbereitungen zu treffen, um ein Familienfest mit einer Vorführung meiner Künste zu bereichern. Ich träumte von Lob und Anerkennung, dabei waren Malen und Zeichnen in dieser Zeit nur Mittel zum Zweck, denn schließlich wollte ich Schauspielerin werden. Erst mit etwa vierzehn Jahren, vernahm ich erst zaghaft, dann immer deutlicher, dass ich eine bildnerische Begabung besitze. Seitdem glaubte ich meine Bestimmung gefunden zu haben und eine große Künstlerin zu werden.

Ich wollte malen und zeichnen, mein großes Vorbild war van Gogh. Sein Schicksal übte auf mich eine morbide Faszination aus, die eines Außenseiters, eines großen Künstlers, von seinen Zeitgenossen verkannt, erst nach seinem Tode gerühmt. Sein Schicksal inspirierte mich zum Anderssein, zum Wagnis ein Künstler zu sein.

Im Studium fing ich mit Illustration an, später verschlug es mich zur Dramaturgie, und damit wendete ich mich dem Theater und dem Studium des Kostümdesigns zu. Die intellektuellen Auseinandersetzungen mit Theatertexten, der Zugang zu verschiedenen Bedeutungsebenen und Interpretationsmöglichkeiten der Handlung und der Figuren, das Geistige als unmittelbare Inspirationsquelle, bildeten die notwendige Basis für mein künstlerisches Schaffen im Umgang mit Theaterliteratur.

Im weiteren Verlauf der Studienjahre, meiner persönlichen und künstlerischen Entwicklung, interessierte ich mich für die Wirkung und das Leben der Räume. Mich faszinierte und fesselte die Vorstellung vom Raum an sich. Die Atmosphäre, die einen Raum erfüllt, wenn er leer steht, oder wenn sich Menschen darin bewegen. Das Leben der Objekte, mit und ohne die Anwesenheit ihrer Besitzer oder Benutzer. In meinen freien Arbeiten gehe ich in die abgebildeten, erdachten Räume hinein, und versuche den Raum von ihnen zu erfühlen, zu spüren, zu hören, wahrzunehmen und unter meinen Händen, aus der Oberfläche heraus wachsen zu lassen.

Ich setze mich mit dem Ganzen, mit den Außen- und Innenräumen einer Geschichte auseinander, denke an die Bühne und die Figuren darin, wenn ich mich mit einem Werk beschäftige. In das Thema vertieft, probiere ich Verschiedenes aus, experimentiere, wühle in meiner Phantasie, suche in der Bearbeitung entstandener Ideen nach ihrem Sinn und Bedeutung. Dabei können Worte allein nicht effektiv genug sein, ich brauche alle meine Sinne, meine ganze Aufmerksamkeit, um künstlerisch tätig zu sein.

"Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch." (Erich Kästner)

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Biographische Daten (Auswahl):

geboren am 23.11.1975 in St. Petersburg, Russland (ehem. Leningrad, UdSSR)

 

Hochschulstudium:
März 1997 – Jan. 2003
Textil-, Mode- und Kostümdesign (Vertiefung: Kostümdesign)
an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Fachbereich Gestaltung

Abschluss: Diplom – Designerin (FH) – Note 1,0

Studienschwerpunkte:
Entwurf und Gestaltung von Kostümen und Bühnenbild
Dramaturgie (Theaterwissenschaften)
Malerei und Zeichnen
Kunst und Kostümgeschichte
Fotografie
Kostümtechniken und Schnittgestaltung

 

Tätigkeit im Bereich Bühnenbild und Kostümbild:

Neben freien Projekten als Bühnen- und Kostümbildnerin war ich an folgenden Theatern tätig:

Deutsches Nationaltheater & Staatskapelle Weimar
(Ausstattungsassistentin und Kostümbildnerin)

Deutsches Schauspielhaus in Hamburg
(Kostümassistentin und Übersetzerin)

Thalia Theater in Hamburg
(Kostümbild-Hospitanz)

 

 

Auswahl bisheriger Werke und Arbeiten:

Yolanda Tabanera: Pentiment (2005)
Internationale Sommerakademie für Kunst und Gestaltung, HAW Hamburg
Persönliches Thema: Gefühlte Räume
Malerei, Zeichnen, Objekte

Peter Lund / Thomas Zaufke: Babytalk – Das Musical
Bühne und Kostüme (2004)
Regie: Dirk Schattner

Jean Genet: Die Zofen
Kostüme (2004)
Regie: Joachim Schötz

H. C. Andersen: Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen
Kostüme (2003)
Regie: Dirk Schattner

Heiner Müller: Quartett
Kostüme (2003)
Regie: Enrico Stolzenburg

Tim Etchells/Forced Entertaiment: Quizoola!
Kostüme (2003)
Regie: Florian Scholz

Vladimir Sorokin: Dostojevskij Trip
Kostüme (2003)
Regie:Roger Vontobel

Jean Genet: Die Neger
Kostüm- und Bühnenbild
Dramaturgie, Kostüm- und Bühnenbild
Diplomarbeit (2002/2003)
ausgezeichnet mit 1,0 von Prof. Dirk von Bodisco und Matthias Schmitz

Lewis Caroll: Alice’s Abenteuer im Wunderland
Kostümbild
Abschlussprüfung – Präsentation (2002)
ausgezeichnet mit 1,0 von Prof. Dirk von Bodisco,
Prof. Manfred Großmann und Dr. Brigitte Stamm

Luigi Pirandello: Heinrich der Vierte
Bühnen- und Kostümbild (2002)
Abschlussprüfung – Präsentation
ausgezeichnet mit 1,0 von Prof. Dirk von Bodisco,
Prof. Manfred Großmann und Dr. Brigitte Stamm

"Das Wesen des Tragischen"
Eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der Tragödie
an den Beispielen von Euripides, Seneca, Racine und Sarah Kane
Dramaturgie (Theaterwissenschaften)
Fachprüfung (mündlich) (2002)
ausgezeichnet mit 1,0 von Matthias Schmitz

Sarah Kane: „Liebe im theatralen Rahmen von Sarah Kanes Dramen.“
Phaidra`s Liebe, Zerbombt, Gesäubert, Gier
Dramaturgie (Theaterwissenschaften)
große Seminararbeit (2001/2002)
ausgezeichnet mit 1,3 von Matthias Schmitz

"Die Kleidung der Eskimos"
Kunst und Kostümgeschichte
große Seminararbeit (2001)
ausgezeichnet mit 1,3 von Dr. Brigitte Stamm

Georges Bizet: Djamileh
Kostümbild (Atelierarbeit) (2000)

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© 2006 Julia Bührle-Nowikowa